Über Uns


Die Familie Bültjer lebte seit Anfang des 19. Jh. in Ditzumerverlaat. Die kleine Stellmacherei wurde von Vater auf Sohn vererbt. Man baute für die ansässigen Fischer kleine offene Fischerboote und Wattschlitten.

Hinderk Gerjets Bültjer, inzwischen auch Stellmachermeister wie sein Vater, entschied sich, wegzuziehen nach Ditzum.

Peter Bültjer übernahm die Stellmacherwerkstatt des Vaters. Das alte Haus, wo man das Handwerk betrieb, steht heute noch in Ditzumerverlaat auf dem ehemaligen Deich.



Im April 1899 zog Hinderk Gerjets Bültjer mit seiner Frau nach Ditzum in die Hofstr. 20.
Zunächst wurden dort Wagenräder, Fässer, Deichseln, Kreier und offene Boote gebaut.

Im Jahre 1900 wurde der erste Sohn geboren, Gerjet Hinderk, und im Jahre 1903 der zweite Sohn, Jan.

Wie die Tradition es verlangte, erlernte der älteste Sohn das Handwerk des Vaters. Er ging mit 13 Jahren in die Lehre bei seinem Großvater in Ditzumerverlaat und bestand seine Meisterprüfung im Jahre 1927.

Der zweite Sohn wurde in die Welt hinausgeschickt, um das Bootsbauerhandwerk zu erlernen. Auch er fing im Alter von 13 Jahren seine Lehre an und bestand im Jahre 1928 seine Meisterprüfung.



Wir schreiben das Jahr 1928. Die Nachfrage nach Fischkuttern wurde immer größer und man wollte diesen Wunsch erfüllen. Fischkutter auf dem Gelände der Stellmacherwerkstatt zu bauen, war jedoch nicht zu realisieren; denn um ein Schiff dieser Größe zu Wasser zu lassen, mußten sie erst mal zum Wasser hingefahren werden.
So entschloß man sich dazu, mit einem Teil des Betriebes außendeichs zu ziehen.
Zunächst baute man eine Holzbude, worin das Werkzeug verwahrt wurde. In den ersten Jahren gab es keine Slipanlage. Neubauten wurden auf dem Grünland auf Kiel gelegt mit mit Holzklötzen abgestützt. War das Schiff fertig, wurde es mit Hilfe von Rundhölzers ins Wasser gezogen. Diese Rundhölzer wurden mit Speckschwarten und/oder Schmierseife geglättet. So wurde 1928 Neubau Nr. 1 gebaut und zu Wasser gelassen.



Natürlich wurden nicht nur neue Kutter gebaut. Um Pflegemaßnahmen und Reparaturen durchzuführen, mußten die Schiffe aus dem Wasser an Land gezogen werden. Auch dazu gebrauchte man wieder geglättete Rundhölzer und bis zu vier Pferde zogen die Kutter an Land.

Von 1928 bis 1999 wurden von der Bültjer-Werft insgesamt ca. 247 Neubauten hergestellt. Aus der Zeit vor 1928 sind keine Unterlagen mehr vorhanden, die eine Gesamtzahl belegen könnten. Die Arbeitsweise hat sich aber in den letzten 100 Jahren nur wenig verändert. Bis 1958 wurden nur Fischereifahrzeuge gebaut, danach wurden mehr und mehr Kutteryachten hergestellt. Der letzte Fischkutter mit der Baunummer 234 verließ Ditzum im Frühjahr 1990. Dennoch ist die Werft nicht ohne Arbeit; Yachtbauten, Reparaturen, jährliche Pflegemaßnahmen, Renovierungen an Traditionsschiffen aus dem In- und Ausland beschäftigen eine Belegschaft von 15 - 20 Mann. Ab und zu findet sich mal ein "Nichtholzschiff" ein, im Winterlager oder auf der Helling sind auch diese willkommen. Aber immer noch gilt die Regel, dass Fischkutter Vorrang haben
bei allen Terminplanungen. Letztendlich muß mit den Fischereifahrzeugen Geld verdient werden.

Eines haben alle Schiff gemeinsam, die Bauwiese. Rumpf aus Eichenholz, das Deck aus Pitch-Pine oder in letzter Zeit aus Iroko. Zunächst wird eine Zeichnung angefertigt,
von der die einzelnen Teile des Schiffes ausgeschnitten werden, die in der nachstehenden Reihenfolge zusammengebaut werden:

1. Kiellegung
2. Aufstellen von Vor- und Achtersteven
3. Aufstellen der Spanten
4. Anbringen der Beplankung
5. Deckslegung
6. Verbreeuwen und Verpechen oder verkitten der Nahtkanten
zwischen den Gängen
7. Einbauen der Ruderanlage

Nachdem die Arbeiten am Rumpf vollendet sind, wird das Schiff zu Wasser gelassen.
Ab 1934 gab es eine handgbetriebene Slipanlage. Seit Anfang der 50er Jahre kam die Elektrizität ins Spiel. Heute ist die Werft mit einer hochmodernen Anlage ausgerüstet und es gibt auch die Möglichkeit, das Schiff per Kran zu Wasser zu lassen.

Die Nachkriegsjahre waren "Aufbaujahre". Die 3 Generation, Hinderk Gerjet Bültjer (Hinni), hat inzwischen seine Lehre angefangen. Sein erstes Segelboot, die "Frauke" baute er im Jahre 1948. Mit diesem Kajütboot begann für die Werft eine neue Ära, denn die Segelleidenschaft von "Hinni" und sein Interesse für alles, was mit Segelboote zu tun hatte, war der Grundstein für den sich später entwickelnden Yachtbau.

Im Jahre 1974 übernahm Hinderk Bültjer die alleinige Betriebsführung der Werft.
Seine Söhne Jan Bültjer und Gerjet Bültjer begannen ihre Lehre 1973 bzw. 1976 im väterlichen Betrieb, die sie nach dem Tode ihres Vaters im Jahre 1995 weiterführen.

Im Jahre 1999 ist die Bültjer-Werft, 100 Jahre nachdem die erste Generation die Stellmacherei eröffnete, zu einer modernen Werftanlagen herangewachsen, wo die altbewährten Methoden hoch im Kurs stehen und an die fünfte Generation weitergegeben werden.

Seit 1997 hat sich nun die fünfte Generation - Gerjet Bültjer - (Sohn von Jan) aufgemacht, die Familientradition fortzusetzen und die Werft in die Zukunft zu führen, um der eventuellen sechsten Generation das "Tägliche Brot" zu sichern.

Quelle: Chronik der Bültjer-Werft, Ditzum - Eine Werft im Wandel der Gezeiten